Navigation

Stadt Kaiserslautern

Kurzbeschreibung der Ausgangslage

Für die vergangenen Jahre kann in der kreisfreien Stadt Kaiserslautern ein stetiger Anstieg der Fallzahlen von denjenigen verzeichnet werden, die Hilfe zur Erziehung (HzE) erhalten.

 

Anzahl der HzE*

2011: 676

2016: 888

2021: 1035

 

Im Vergleich zu 2011 hat ein Anstieg um das 1,5 fache stattgefunden. Betrachtet man die Anzahl der HzE (§§ 27 Abs. 2, 29-35, 41 SGB VIII) pro 1.000 junger Menschen unter 21 Jahren (ohne umA), liegt Kaiserslautern mit 56,72 Fällen deutlich über dem rheinland-pfälzischen Durchschnitt von 37,39 Fällen (Stand 12/2021).

 

Anzahl der U15-Jährigen in Sozialgeld-Bezug*

 

Im Jahr 2021 lag die Anzahl der unter 15-Jährigen mit Bezug von Sozialgeld pro 1.000 junger Menschen

  • in Rheinland-Pfalz bei 102,43,
  • in Kaiserslautern bei 202,49,

Demnach ist die Anzahl in Kaiserslautern fast doppelt so hoch wie auf Landesebene.

 

*Quelle: www.berichtswesen-rlp.de, Auswertung mit Stand 01.2023

 

Ziele für die Teilnahme am Modellprojekt

Aus den Erfahrungen mit den Familien, die sowohl vom Allgemeinen Sozialen Dienst als auch vom Pflegekinderdienst und auch unseren ambulanten Diensten begleitet werden, können wir ableiten, dass die Beratungs- und Unterstützungsbedarfe hinsichtlich psychisch- und suchtbelasteter Eltern höher sind, als sie über ausschließliche Leistungen der Jugendhilfemaßnahmen abzudecken sind.
Daher erfolgt i.d.R. eine Weiterleitung an Sucht- und / oder Erziehungsberatungsstellen, auch an IST-Stellen. Meist ist dies aber nur bedingt ausreichend. Steht eine akute Kindeswohlgefährdung im Raum, werden, zum Schutz der Kinder / Jugendlichen einerseits, andererseits auch der betreuenden ambulanten / stationären Leistungserbringer, aber auch der Mitarbeitenden der Sozialen Dienste, relativ frühzeitig Hilfen zur Erziehung nach §27 ff. SGB VIII eingeleitet.

Eine koordinierende Stelle, so die Vision, kann maßgeblich dazu beitragen, dass adressatengerechte Angebote entwickelt werden, was aufgrund der aktuellen Daten- / und Sachlage, bei den Sozialen Diensten, nicht umsetzbar ist. Es ist, aufgrund der gesamtpolitischen und soziokulturellen Lage, unbedingt erforderlich, so auch das Resümee der AG78, die bereits begonnene konstruktive Vernetzung der öffentlichen Träger Stadt und Kreis Kaiserslautern mit den freien Trägern, den ansässigen Arbeitskreisen und Kooperierenden weiter voranzubringen und zielorientiert zu konzentrieren. Ein wichtiger Baustein ist dabei der Auf- und Ausbau konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Pfalzklinikum, Standort Kaiserslautern, v.a. aber mit dem Standort Klingenmünster. Von Seiten der niedergelassenen Kinder- und jugendpsychiatrischen Behandler*innen ist dies ebenfalls ein großes Anliegen, so das Ergebnis eines Austauschtreffens in 2022.

Langfristig können ambulant weiterentwickelte Konzepte dazu beitragen, dass Kinder / Jugendliche / Familien nicht in eine "Jugendhilfe-Karriere-Spirale" geraten, sondern, im Idealfall, präventive Angebote frühzeitig vermitteln, dass Familien über spezielle Angebote angeleitet werden, ihre Kinder eigenständig, selbstwirksam und zukunftsfördernd zu erziehen, über möglichst niederschwellige Angebote.

Bestenfalls findet eine Entkopplung statt hinsichtlich der Problemlagen der Erziehenden und den Bedarfen der zu Erziehenden; meint, dass belastete Sorgeberechtigte eine Versorgung über das Gesundheitswesen erfahren, die Minderjährigen über sozialraumorientierte, niederschwellige Angebote erreicht werden (können), eine Anlaufstelle haben. Eltern werden wieder handlungs- und erziehungsfähig, die Kinder / Jugendlichen können bei ihren Erziehungspersonen verbleiben.

Am Ende könnte über das Gesamtkonzept, neben der Umsetzung der vielschichtigen inhaltlichen Zielsetzungen, eine Absenkung der Kosten der Hilfen zur Erziehung erreicht werden.
Bedarfe erfassen, Sozialräume neu auflegen, Vernetzungsstrukturen pflegen, Angebotsentwicklung mitdenken, Bindeglied sein im Spannungsfeld der unterschiedlichen fachlich orientierten Akteure sein.

Angeregt ist die Ansiedlung der Koordinationsstelle in einem speziellen Fachdienst-Team: Koordinierungsstelle, Netzwerkkoordination, Eingliederungshilfen, in Überlappung mit den Fachdiensten (Netzwerkkoordination, EGH usw.) des Kreisjugendamtes Kaiserslautern, die ihre Kooperationswilligkeit bereits signalisiert haben, sowie den jeweiligen Jugendhilfeplanenden. Einbindung in verschiedentlichen Fachgremien sind bereits angedacht.

 

Stand des kommunalen Gesamtkonzeptes

Handlungsfeld Umsetzungsstand in der Pilotkommune
A) Umsetzung eines interdisziplinären Unterstützungs- und Versorgungsrepertoires
  • "Lama-Projekt": Tiergestütztes, erlebnispädagogisches Projekt mit Fachkräften für tiergestützte Pädagogik (für Kinder im Grundschulalter), inkl. Hol- und Bring-Dienst.
  • Elterngruppe „Anker“ (mit Kinderbetreuung)
  • verschiedentliche bedarfsorientierte Angebote (z. B.: Infoveranstaltungen und Projekte der Suchtberatungsstellen, Kitas, Kisas)
B) Steuerung und Planung sowie eine verbindliche Abstimmung der Hilfen und Leistungen zwischen den kommunalen Akteur*innen
  • Die interne Abstimmung erfolgte Ende 2022. Die Koordinationsstelle im Rahmen des Modellprojekts wurde zum 01.01.2024 besetzt. Es besteht enge Abstimmung mit der Jugendhilfe- und Sozialplanung/Psychiatriekoordination sowie der Koordination „Frühe Hilfen“.
  • Regelmäßig stattfindende Treffen der Steuerungsgruppe (Vertretungen kooperierender Institutionen sowie interner / externer Verwaltungen) 2 x jährlich.
  • Regelmäßige Rückmeldung der aktuellen Situation und der Ergebnisse aus den Projekten und der Steuerungsgruppe an das Ministerium in die dort einberufene Transfergruppe.
  • Regelmäßiger Austausch mit dem wissenschaftlich begleitenden Institut ism.
  • Aktuell: Erstellung eines Handlungsleitfadens in Abstimmung relevanter Akteure zur früheren Kontaktaufnahme zu betroffenen Familien.
C) Lokal-kommunale Netzwerke
  • Der Arbeitskreis KipsE besteht und arbeitet seit vielen Jahren. Fachkräfte tauschen sich hier über bestehende bzw. fehlende Angebote aus und sammeln Eindrücke zu Hürden für die betroffenen Familien bei den Zugängen zu Unterstützungsangeboten aus.
  • Jährlich findet ein Fachtag, unter Beteiligung namhafter Referent*innen zum Thema KipsE statt. Hier sollen Fachkräfte für das Thema sensibilisiert werden, Anregungen im Umgang mit den betroffenen Menschen erhalten und die Möglichkeit zum fachlichen Austausch untereinander haben.
  • Die ebenfalls jährlich stattfindenden Netzwerkkonferenzen der „Frühen Hilfen“ werden seit einigen Jahren zusammen mit den Fachtagen der KipsE ausgestaltet und sind fester Bestandteil des gelingenden Zusammenwirkens. Bei den gemeinsamen Fachtagen / Netzwerkkonferenzen werden Problem- und Bedarfsmeldungen der Fachkräfte gesammelt, die in den folgenden Fachtagen aufgegriffen werden sollen.
  • Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Sozialplanung/Psychiatriekoordination im Referat 50. Hier werden Überlegungen auch aus dem Netzwerk der PSAK (Psychosozialer Arbeitskreis) aufgenommen und gemeinsame Projekte und Vorgehensweisen abgestimmt, um die im Projekt benannte Zielgruppe noch besser in den Fokus nehmen zu können. Es erfolgt Reflexionen zu den bisherigen Angeboten und ggf. Entwicklung weiterer, passgenauer Angebote.
  • Mit der Stellennachbesetzung der Koordination der „Frühen Hilfen“ zum 01.01.2025 erfolgt seit dieser Zeit auch hier eine enge Abstimmung.
  • Weitere kooperierende Netzwerke sind das Netzwerk der „Frühen Hilfen“, der AK der Schwangerenberater*innen, der AK Sucht und der Regionale Arbeitskreis Suchtprävention.
  • Mit Einrichtung der Koordinierungsstelle kann nun sichergestellt werden, dass die Fachkräfte / Institutionen Kenntnis zu den Fortbildungsangeboten erhalten, die Möglichkeit haben, fachspezifische Fragen zu stellen und sich über mögliche Unterstützung bei Ausgestaltung von Projekten und denkbare Kooperationen informieren können. Die Koordinationsstelle greift dabei auch auf „Best Praxis-Beispiele“ zum Thema KipsE zurück.
D) Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften bzw. von Multiplikator*innen/ Öffentlichkeitsarbeit

Die Sensibilisierung von Fachkräften und Multiplikator*innen erfolgt i.d.R. im Austausch der Netzwerke KipsE und PSAK, in Aktionen (jährliche Nacoa-Woche „wirwerdensichtbar2026“), der Kenntnis über Fortbildungs- und weitere Angebote der Suchtberatungsstellen (z. B.: Kind s/Sucht Familie, Kinderfreizeit der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks, usw.) und den Fachtagen/Netzwerkkonferenzen.

  • Zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit nimmt das Netzwerk KipsE seit vielen Jahren an den Jugendschutz-Tagen in Ramstein teil, um die Beratungsangebote für Stadt und Landkreis bekannt zu machen. Hier können Schüler*innen der 7. und 9. Klasse, Lehrkräfte und Erzieher*innen gut erreicht werden:
  • 2022 wurde die Homepage www.wirsindda.eu erstellt, die mit einem ersten Überblick über kooperierende Beratungsangebote informieren soll. Diese wird aktuell überarbeitet.
  • 2022 wurde in Kaiserslautern eine gemeinsame Plakataktion mit dem Fotografen Thomas Brenner zum Thema „wie erleben Kinder die psychische- bzw. Suchterkrankung der Eltern“ künstlerisch umgesetzt. Bauzaungroße Plakate und weitere Plakate in unterschiedlicher Größe sowie Postkarten werden bei allen Aktionen und Fortbildungen zum Einsatz gebracht.
  • 2024 wurden gemeinsam mit der Sozialplanung/Psychiatriekoordination im Rahmen eines „Kino-Projekts“ die Bürger*innen der Stadt Kaiserslautern in das Union-Kino zu dem Film „Schloss aus Glas“ eingeladen. Einleitende Worte der Chefärztin der Psychosomatischen Klinik des Westpfalzklinikums Kaiserslautern zum Thema psychisch- und suchtbelastete / erkrankte Eltern, mit Erklärungen zu den Problemlagen der Betroffenen und das Aufzeigen von Möglichkeiten der ambulanten, teilstationären und stationären Behandlung in Kaiserslautern.

Ansprechperson

Jutta Falkenstein
Stadtverwaltung Kaiserslautern, Referat Jugend und Sport, Allgemeiner sozialer Dienst
Tel.: 0631/365-2694
E-Mail: jutta.falkenstein[at] kaiserslautern.de

Cookieeinstellungen